I´ll take you on a trip

Delhi

Bezaubernder Moloch

Wie immer verfluchen wir die Ankunft zu unchristlicher Zeit um 03:25 am Morgen. Nach dem ueblichen Gewusel durch die Meute hunderter, Namenschilder in die Hoehe reckender, fuer Fahrservice aufgelaufener Inder und der Feststellung, dass unser bestellter Abholservice nicht da ist, tritt endlich Endspannung ein, als wir auf der Rueckbank eines Wagens Richtung New Delhi sitzen. Eine erfolgreich absolvierte Anreise kann verbucht werden. Das ist in dieser Reibungslosigkeit nicht selbstverstaendlich, wie man aus Erfahrung weiß. Gefuehlte 500.000 Rikshaw und Taximen  bevoelkern die Hauptverkehrsader zur 12 Millionen City. Der Rest scheint tatsaechlich eine Auszeit genommen zu haben. Mangels Klimaanlage im Fahrzeug haben wir, der Sauerstoffzufuhr wegen, alle Fenster herruntergekurbelt und sind somit mittendrin statt nur dabei.

Wir sind dann doch eher zu hinduistischer Zeit angekommen, denn am Minitempel neben unserer schon liebgewonnen Unterkunft nahe dem Main Bazar, herrscht um 05:30 Uhr schon reger Betrieb und wir durften gespannt sein, ob unsere angesammelte Muedigkeit ausreicht, das nervende Leuten der heiligen Tempelglocken und das Rezitieren von Mantras, gelassen zu ignorieren. Es hat gereicht ! Zumindest für 3,5 Stunden.

Wichtigster Tagesordnungspunkt war heute die Organisation eines Bahntickets Delhi – Varanasi für die Weiterfahrt im Nachtzug am 18.April. Hat alles gut funktioniert und „we are allready booked in system“, wie der Inder gerne sagt. Den Rest des Tages haben wir uns einfach im Main Bazar und Bahnhofsviertel, treiben lassen.

Zum Abendessen gab`s ein lang ersehntes Tali, das Nationalgericht in weiten Teilen Indiens. Es besteht immer aus Reis, Linsen und ein bis zwei Gemuese-Currys plus Chapati (Fladenbrot). In der Regel bekommt man gerade in den billigen Kuechen fuer das gemeine Volk, von allem Nachschlag bis du Einhalt gebietest. Das ganze kostet dann 25-40 Rupies = 30-60 Eurocent. Ein Bier (640 ml Flasche) schlaegt im Hotel Relax mit 90 Rs (1,50 €) zu Buche. Auch wenn das fuer unsere Verhaeltnisse spottbillig ist, bekommt man gemessen am Tali-Preis, schon fast ein schlechtes Gewissen soetwas zu bestellen, zumal der Inder auf der Strasse ca. 30.- € im Monat verdient.

Leichter Ausruestungsschwund ist heute schon zu beklagen. Ich hatte mir noch billige Flip Flop Sandalen fuer 2.95 Euro bestellt. Die haben heute ca. 600 m auf der Einkaufsmeile Main Bazar ueberlebt und mussten dann durch ein indisches Modell ersetzt werden. Schwache Leistung.

Morgen frueh heißt es dann, Tuk Tuk zum Busbahnhof chartern und eine Verbindung ins 215 km entfernte Haridwar organisieren. Ist keine weite Reise, bedeutet aber je nach Verkehr ca. 5-6 Stunden abenteuerliche Fahrt gen Norden, durch die Bundesstaaten Delhi, Haryana und Uttar Pradesh nach Uttaranchal. V will C.

 

>>> weiter zum Kumbh Mela nach Haridwar

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17.04.  Die Rueckkehr

Der Tagtraum Kumbh Mela, endet so abrupt, wie er begonnen hatte. Mit einer Taxifahrt in eine andere Welt. Bei der Rückkehr nach Delhi, die quirlige, gemeinhin als rastlosen Moloch empfundene Hauptschadt des Milliarden-Volkes der Inder, entwickle ich meine persönliche Relativitätstheorie. Die Definition von Menschenmenge, Größe und Stress ist relativ gemessen an den bisher selbsterfahrenen Maßstäben. Wer in Bilmerich aufwuchs, wird schon Dortmund als hektisch empfinden. Wer Kumbh Mela erlebt hat erlebt Delhi wie die Heimkehr auf`s Land.

Blick von der Hotel-Terrasse

Wieder im Relax Hotel eingecheckt, uber den Main Bazar geschlendert und Frank und Kathrin angerufen, nach dem Motto ‚wo steckt ihr denn?‘. Es war wieder faszinierend. Der Beschreibung ihres Standpunktes nach, haette ich sie mit etwas Glueck schon sehen koennen. So war es dann auch. Sekunden spaeter standen wir uns gegeueber und zogen ab zum Relax, wo ich nun bestimmt bald Kommission bekomme, fuer das ranschleppen von Neukunden.

Main Bazar sieht derzeit aus wie Beirut nach einem Raketenangriff. Alles wird auf und abgerissen, die Strasse neu gemacht. Man will sich fuer die Commenwealth Spiele im Oktober herausputzen und der Charme des Zerfalls in diesem Stadtteil, wird dabei auf der Strecke bleiben.

mal eine alternative Kuttenfarbe…

Am Abend war feierliches Biertrinken auf einer Dachterrasse angesagt. Kumbh Mela war ja antialkoholische Zone und so freuten wir uns kollektiv auf ein hopfenhaltiges Kaltgetraenk. …oder 2 oder 3…?

17.04.

Ein Klassiker bei jedem Aufenthalt in Delhi, ist fuer mich der Besuch des Gewuerzmarktes. 7.00 Uhr sind wir zu viert dort hin aufgebrochen. Das Treiben auf Asiens groesstem Spice Market liebe ich. Die fruehe Zeit haben wir wegen der Temperaturentwicklung gewaehlt.

Jama Masjid/Old Delhi, fuer 30.000 Glaeubige die groesste Moschee Indiens

Das war diesbezueglich zwar schlau, brachte aber leider mit sich, dass viele Shops auf dem Markt noch nicht geoeffnet waren. Konnte mich nicht erinnern es schon so leer gesehen zu haben. Naja, Safran und co. habe ich dennoch ergattert wie mir aufgetragen war.

Kermit kontrollierte die Ware beim Safran-Dealer unseres Vertrauens

 

18.04.  Extrem Rumhaenging

Der indische Kachelmann hat fuer heute 44 Grad prognostiziert und uns damit die Laune auf Aktivitaeten verdorben. Ist unser Kachelmann eigentlich noch eingebuchtet ? So haben wir heute morgen herumgelungert, sind durch den Stromausfall und damit dem Ausfall unserer Klimaanlage im Zimmer, wach geworden, weil wir die ploetzliche Ruhe nicht parieren konnten. Danach haben wir den Chai-Haendler um die Ecke heimgesucht und uns mehrere dieser koestlichen Getraenke plus Zwieback einverleibt und es Fruestueck genannt. Um 11:00 Uhr oeffnete dann eine von uns beliebte Dachterrasse, die wie wir gestern mitbekommen haben, einen WiFi Zugang ihr Eigen nennt. Das nutzen wir jetzt seit 4 Std.  schamlos aus und lassen uns dabei bewirten. So hat es also noch einige Ergaenzungen des Kumbh Mela Berichts geben koennen.

Heute Abend besteigen wir den Nachtzug nach Varanasi, der uns hoffentlich nach 12 Std. planmaessig dort abliefert. Ich habe fuer die Strecke auch  schon 17 Std.  gebraucht nachdem es mit 13 Std. Verspaetung losgegangen war.

 

weiter au der Seite Varanasi

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2 Antworten

  1. Mama

    Hallo Christian,
    da ich mich nicht mehr von Dir verabschieden konnte, da ich selbst in der Nacht von Freitag auf Samstag in den Chiemgau gefahren bin mit einer Gruppe Frauen, möchte ich Dir auf diesem Wege noch meinen Segen mit auf die Reise geben. Ich hoffe, das Du mit Deiner Schulter und Deinem Arm bis jetzt gut zurecht gekommen bist und wünsche Dir ganz viele schöne Erlebnisse und ganz viel tolle Fotos, auch für mich später. Alles erdenklich Gute, Deine Mama

    12. April 2010 um 10:49 am

  2. Pingback: Auf den Spuren heiliger Stätten des Hinduismus « nawrockiworldwide

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